Die kriminelle Energie im Sammelkarten-Hobby ist vorhanden. In den vergangenen Monaten berichteten verschiedene Ladenbesitzer von Sammelkarten-Shops von Einbrüchen, Diebstählen und sogar Überfällen. Zuletzt ging ein Video aus New York auch durch die deutschen Medien, welches einen bewaffneten Raubüberfall auf einen Shop für Pokémon-Sammelkarten zeigt. Laut dem Bericht wurden Waren im Wert von circa 100.000 US-Dollar gestohlen. Außerdem heißt es, dass zuvor in Kalifornien ebenfalls Pokémon-Karten im Wert von 300.000 US-Dollar gestohlen wurden.

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Diese Bilder benötigt niemand und ich gehe in diesem Artikel mal der Spur des Ursprungs nach.

Pokémon-Kriminalität auch in Deutschland angekommen

In Deutschland kam es bereits zu Einbrüchen und Einbruchsversuchen und das Ziel ist immer gleich, nämlich die Karten aus dem Pokémon‑TCG. Bei der Berichterstattung fällt auf, dass in dem Zusammenhang mit den Schilderungen dieser Ereignisse gerne darauf hingewiesen wird, dass viel Geld mit dem Verkauf von Pokémon-Sammelkarten verdient werden kann.

Hier mal einige Beispiele von Berichten auf verschiedenen Nachrichtenportalen. Ich werde bewusst die Pokémon-Fachgeschäfte nicht namentlich nennen und halte mich nur an die Informationen aus den besprochenen Presseartikeln:

Radio Augsburg | 13.01.2025 | Pokémon-Karten im Wert von Tausenden Euro aus Gersthofer Laden gestohlen

Hier wurde in ein Spielwarengeschäft in Gersthofen eingebrochen, um „Hunderte von Pokémon-Sammelkarten“ zu stehlen. In der siebenzeiligen Pressemitteilung darf der Verweis auf den hohen Wert von Pokémon-Karten nicht fehlen.

Reselling Freddy | 09.03.2025 | Video: „Familienvater klaut Pokémon-Karten an meinem Trödelstand“

Dieses Video nehme ich spontan noch in die Liste auf, weil ich es gestern zufällig auf YouTube gesehen habe. Der YouTuber beschenkt das Kind, während der Vater mehrfach Booster und Einzelkarten klaut. Natürlich ist es hart, wenn kein Geld für Sammelkarten verfügbar ist, aber auf dem Schulhof die Trading Cards gerade groß im Trend sind, doch dies ist der falsche Weg. Schaut euch den dreisten Fall gerne hier an. Das Video beginnt direkt in der heißen Phase.

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Wochenblatt Reporter | 03.07.2025 | Pokémon-Karten im Wert von Tausenden Euro aus Keller gestohlen

In Kaiserslautern wurde eine Pokémon-Sammlung von Einbrechern aus einem Kellerraum gestohlen. Ich habe keine Informationen aus der PM entnehmen können, ob der Fund zufällig geschehen ist oder die Sammelkarten das Ziel des Einbruchs waren.

BR24 | 18.12.2025 | Pokémon-Karten im Wert von fast 4000 € gestohlen

Hier wurden sich gewaltsam Zutritt über die Tür verschafft und Vitrinen eingeschlagen, um in der Oberpfalz mehrere Pokémon-Produkte zu stehlen. Ich verstehe, dass in einem Artikel die Set-Namen („Pokémon 151“ & „Verlorener Ursprung“, sowie der Kartenname („Mega Glurak X“) genannt werden, denn es geht in dem Bericht auch um die Suche nach Zeugen und natürlich sollten in der Umgebung alle Sammler aufpassen, dass ihnen kein Diebesgut angedreht wird.

Jedoch empfinde ich es als amüsant, dass in der kurzen Pressemitteilung ein interner Link zu einem Artikel mit dem Namen „Alte Sammelkarten: Warum Sie damit richtig Geld verdienen können“ prominent eingesetzt wurde. Natürlich rechtfertigt dies keine Art von kriminellen Handlungen, aber die Berichterstattung über das Thema „Trading Cards“ dreht sich gefühlt immer um das liebe Geld, weniger um das Sammeln, die Faszination, vielleicht die Kunst oder gar die Kindheitserinnerungen.

Süddeutsche Zeitung | 18.12.2025 | Einbrecher kommen wegen Pokémon-Karten

Die gleiche Pressemitteilung zum gleichen Fall. Wieder ein interner Link, der dieses Mal auf dem Wort „Pokémon“ liegt. Der erste Artikel bei der Süddeutschen Zeitung lautet „Sind Pokémonkarten ein Investment?“ und beschäftigt sich hinter der Bezahlschranke mit der Frage, ob diese Sammelkarten eine lohnenswerte Geldanlage seien.

Tagesschau | 14.01.2026 | Heidelberg: 5000 € teure „Pokémon“-Karten gestohlen

In Heidelberg hat sich ein Verkäufer mit einem Interessenten aus dem Internet getroffen, um diesem drei Pokémon-Karten im Wert von 5.000 € zu übergeben. Der „Interessent“ erschien ohne das notwendige Bargeld, gab vor zur Bank zu gehen und floh dann mit den Karten. Sowohl die Tagesschau als auch die eigentliche Quelle „SWR“ verzichten auf weiterführende Artikel.

Pokémon Einbrüche

Das Narrativ im Hobby wankt

💡Ein Narrativ ist eine wiederkehrende Erzählweise, mit der ein Thema in der Öffentlichkeit gedeutet wird. Es geht dabei weniger um einzelne Fakten, sondern um das Deutungsmuster dahinter: Welche Aspekte werden betont, welche werden weggelassen und welche Schlussfolgerung erscheint dadurch „logisch“? In diesem Beitrag meint „Narrativ“ vorwiegend die zunehmende Darstellung von Pokémon-Sammelkarten als Geld- und Hype-Thema. Diese Sichtweise prägt, wie Außenstehende das Hobby wahrnehmen – und kann auch beeinflussen, wie sich Menschen im Umfeld des Hobbys verhalten.

Geld entfesselt immer kriminelle Energien

Pokémon-Sammelkarten sind längst kein Hobby mehr für einige Enthusiasten, die untereinander Pokémon-Karten sammeln, tauschen, kaufen und verkaufen, sondern das Wissen über diesen „Hype“, die hohen Verkaufswerte und der allgemeine Run auf die Produkte werden immer mehr Menschen bekannt. Jedes Geld-Thema zieht Kriminelle an und so auch das eigentlich so harmlose Karten-Hobby.

Die Gefahren von Wachstum

Die Messen werden größer, die Frequenz der Berichterstattungen in den Medien steigt, immer mehr Sammler mit finanziellen Interessen kommen dazu und so lässt sich die Vielzahl der Fälle erklären. Vielleicht ist es auch nur die Perspektive auf und innerhalb einer Bubble, aber auch dann müssen wir Aktiven im Hobby uns davor schützen. Das Narrativ bestimmen wir Sammler und auch die Content-Creator, die nicht in jedem Video die Frage beantworten müssen, ob sich das Gambling beim Öffnen eines Booster-Packs gelohnt hat.

Wir sehen leider zu oft die Betrügereien in Livestreams, die unschönen Szenen mit Scalpern in der Hauptrolle, die unverschämten Preise einiger Händler, die dreisten Maschen der Flipper oder das arrogante Auftreten von Protzern, um nicht zu erkennen, dass sich die Stimmung im Hobby verändert.

Spürbare negative Veränderungen im Hobby

Diese Veränderung der Stimmung ist längst nicht mehr nur im Internet spürbar, sondern auch auf Events. In der Podcast-Folge „Pokémon-Deepdive mit TaniChuu“ reiße ich eine Geschichte von einer Trade Night bei den B-Brothers nur kurz an. Natürlich wächst auch auf diesem Event die Bubble, aber noch ähnelt es oft einem Klassentreffen. Ein für scheinbar alle fremder Mann bietet in der Pokémon-Ecke jemanden ungefragt drei Pokémon-Karten für einen Preis von 4.500 € an.  Der angesprochene Mann reagiert überrascht, lässt sich aber darauf ein und möchte die Preise der Karten checken. Dazu kommt es nicht, denn der Verkäufer unterbricht die Recherche prompt mit den Worten „Jetzt entscheiden, haben oder nicht haben.“ Der Interessent versucht sich kurz zu rechtfertigen, doch der Verkäufer verschwindet sofort. Diese merkwürdige Szene blieb mir lange im Kopf, denn sie war so untypisch für diesen Wohlfühlort für das Hobby in Langenfeld.  Ich bin mir auch sicher, dass wenn die Geschichte an einen Mitarbeiter im Store weitergetragen worden wäre, es mindestens ein Kopfschütteln oder vielleicht auch andere Konsequenzen für dieses Verhalten gegeben hätte.

Diese Woche wurde ich auch von der Sammlungsauflösung einer Sammlerin auf Instagram überrascht. Viele Monate lebte dieser Account von der spürbaren Leidenschaft und dem offensichtlichen Spaß an Wrestling-Karten. Es wurde getauscht, Base-Karten wurden zelebriert, das erste Autogramm entfachte Euphorie und plötzlich stehen alle Karten diese Woche zum Verkauf und es heißt die Sammlung würde aufgelöst werden.

Wir verlieren leidenschaftliche Sammler und Neueinsteiger

Durch diesen Fokus auf das Thema „Geld“ gerät das Hobby-Narrativ ins Wanken. Natürlich gibt es noch  Sammler, die eine klassische Erzählweise vom Sammeln verkörpern und dieses ausleben, aber es gibt auch den Gegenpol, der sich auf das Geld konzentriert. Es ist bedeutungsvoll, dass wir für das ursprüngliche Narrativ kämpfen und hier die Fahne oben halten, um uns Sammlern den Spaß nicht zu verderben. Aus diesen zwei Fronten ergibt sich eine Spaltung, die langfristig nicht förderlich für das Hobby sein kann.

Gerade im Pokémon TCG haben langjährige Sammler und Spieler dieses Hobby mit der Zeit verlassen, weil sie den Spaß daran verloren haben oder die Produkte nicht mehr verfügbar sind. Nicht nur, dass mir dies mehrere Menschen persönlich erzählt haben, auch die hohe Anzahl gelöschter oder inaktiver Instagram-Accounts von einst ambitionierten Sammlern zeigt auf, dass sich viele auch schnell wieder vom Hobby abwenden und nicht immer liegt es am verzockten Geld sondern auch am weggefallenen Spaß.

Kein Verhalten im Hobby rechtfertigt Diebstähle und Raubüberfälle

Bevor es missverstanden wird noch ein kleiner Zusatz: Egal wie ihr eure Karten präsentiert, es gibt natürlich niemanden das Recht euch zu bestehlen. Jeder sollte in einer perfekten Welt seine Sammelkarten unbeaufsichtigt herumliegen lassen können, ohne dass jemand Fremdes diese stiehlt. Egal ob jemand seine teuerste Karte um den Hals trägt, einen Sammelkoffer mit Schaukasten besitzt oder im Internet seine kostspieligen Karten veröffentlicht, es rechtfertigt keine Gewalt oder sonstige kriminelle Aktivitäten.

Hobby-Glaskugel zeigt dunkle Wolken am Himmel

„Jeder soll sammeln was und wie er will“

Ich kann diesen Satz von einigen Protagonisten nicht mehr hören, denn wenn wir ehrlich sind, klingt dieser Satz aus dem falschen Mund oft herablassend. Doch grundsätzlich stimmt dieser Satz natürlich, doch was ist, wenn dies aufgrund von Verfügbarkeit und der Stimmung untereinander nicht mehr möglich sein wird?

Die viel zu düstere Überschrift dieses Absatzes soll zeigen, dass in meinen Augen mehrere Faktoren das Hobby derzeit negativ beeinflussen und ich habe hier noch kein Wort über die Hersteller verloren, aber ich habe zum Glück auch in meiner bisherigen Kartenfan-Zeit genug Sammler kennenlernen dürfen, die das Hobby so sehen wie ich es einst verstanden habe.

Ich empfinde die negativen Schlagzeilen innerhalb des Hobbys stets als Warnung und als Auftrag. Die Warnung bewirkt in mir, dass ich mir niemals den Spaß an Sammelkarten verderben lassen werde. Meinen Auftrag sehe ich darin, dass ich in all den Kartenfan-Projekten versuche das für mich schöne Narrativ für das Hobby zu bewahren und andere damit zu infizieren.

Im nächsten Artikel zeige ich dir dann „10 Tipps für den Verkauf von geklauten Pokémon-Sammelkarten“. Bis dahin. Euer Kartenfan. ♥️

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