Bevor ich tiefer in das Thema einsteige bitte auch diese Einleitung lesen: Ich werde in diesem Artikel keine Namen von „Local Card Shops“ in Deutschland und teilweise aus dem Ausland nennen, die ich bislang besucht habe. Es geht mir ein weiteres Mal nur um eine persönliche Darstellung eines vielleicht für mich relevanten Problems im Sammelkarten-Hobby. Jeder soll sein Geld mit Sammelkarten verdienen, aber dennoch hat sich dieser Artikel in den vergangenen Wochen in meinem Kopf aufgebaut und darum muss er raus.

Der überteuerte „Local Card Shop“ in einem Dorf

Gestern hatte ich einen Geschäftstermin und auf dem Rückweg habe ich recherchiert, ob ich auf meinem langen Heimweg vielleicht an einem Kartenladen vorbeikomme. Ich erhielt einen Treffer für einen „Local Card Shop“ ziemlich genau auf dem Heimweg und steuerte diesen Laden in einem Dorf, wahrscheinlich offiziell Stadt, und betrat diesen.

Außer mir war niemand im Laden. Der Mitarbeiter beachtete mich nicht, sondern war glaube ich genervt, dass er er seinen Gang in die Raucherpause dann doch abbrechen musste, um sich während meines Aufenthalts im Local Card Shop aufzuhalten. Hätte ich nicht gefragt ob hinter der Kasse das Lager sei oder doch weitere Produkte stehen würden, dann wäre mein Besuch ohne ein gesprochenes Wort abgelaufen. Ich schaute mir alle angebotenen Artikel an und das nicht kurz, sondern suchte mehrfach die gleichen Regale ab.

Die Preise waren dabei bemerkenswert. Nicht nur, dass die Preise sich fernab vom UVP befanden, es machte den Anschein, dass die Preise auch nicht an die aktuellen Marktpreise angepasst wurden. Dieses Phänomen fiel mir vorwiegend bei dem Angebot der Einzelkarten auf, die sich alle auf einem längst vergangenen Allzeithoch befanden.

Natürlich sind aktuell die Preise für alle Produkte rund um das dreißigjährige Bestehen des Pokémon Trading Card Games einigermaßen bekannt, doch bei dem Preis für ein asiatisches Booster hätte sich selbst der skrupelloseste Breaker geschämt.

Ich verließ diesen Shop für Sammelkarten ohne einen Einkauf, aber im Auto angekommen schaute ich mir den Laden dann doch mal genauer bei Instagram an.

Ein echter Sammelkarten-Shop oder doch nur Creator-Room und Lager?

Ein Blick auf den Instagram-Feed und der Check anderer Präsenzen im Internet bestätigte mich schnell in dem Verdacht, dass das eigentlich kein ernst gemeinter lokaler Einzelhändler ist, sondern der Laden eher als Raum für Content-Produktionen und Lager genutzt wird. Eine Zentrale für Mitarbeiter, die ihr Geld nicht im stationären Einzelhandel machen müssen oder gar wollen, sondern einen Ort für ihre Online-Geschäfte benötigen.

Ich verurteile das nicht, sondern teilweise verstehe ich diesen Reiz sogar, denn natürlich bin ich nicht der einzige der diesen Laden entdeckt und anders als bei mir sind andere Sammler froh überhaupt Produkte kaufen zu können, aber dennoch würde ich folgende Red Flags hier einfach mal benennen. Natürlich gelten diese nicht für jeden Sammelkarten-Shop, aber dennoch würde ich eine kleine Faustregel aufstellen wollen:

Je mehr Red Flags einem „Local Card Shop“ zugeordnet werden können, desto wichtiger ist der Preisvergleich.

Liste der Red Flags

Kombination aus Online-Shop und stationärem Einzelhandel

Hier ist Platz für den großen Aufschrei, denn natürlich hätte ich als stationärer Einzelhandel einen Online-Shop bei der großen Nachfrage nach Sammelkarten, doch wenn ein Unternehmen ausschließlich stationär seine Produkte verkauft, dann muss es ein angenehmes Einkaufserlebnis bieten und meistens auch faire Preise. In einem Local Card Shop kommt es eben zu Begegnungen mit echten Menschen, sogenannten Kunden, denen mehr Zwischenmenschlichkeit entgegengebracht werden sollte als dem anonymen Kunden aus dem Online-Shop.

Mehrfaches Live-Streaming pro Woche

In Live-Streams auf den bekannten Plattformen (u. a. Whatnot, Voggt, eBay Live) lässt sich viel Geld verdienen, da User sich gerne überbieten und im Eifer des Gefechts die Marktpreise ausblenden oder diese nicht wissen. Ebenfalls für stationäre Shop-Betreiber ein weiteres finanzielles Standbein und irgendwo müssen die Prioritäten liegen. Ganz abgesehen von verschiedenen Gambling-Formaten, wie dem Kauf von Tickets mit der Chance auf den Hauptgewinn, Glücksräder und weiteren Formaten mit eindeutigen Glücksspiel-Elementen. Natürlich ist das Öffnen eines Boosters oder einer Hobby-Box auch immer eine Art von Glücksspiel, aber ihr wisst was ich meine.

💪Kurzer Einschub zu dem Thema „Glücksspiel-Formate auf Live-Streaming-Plattformen“: Ich habe gedacht diese Zeit sei vorbei, aber anlässlich der Pokémon-Kollektion zum 30. Geburtstag habe ich mir auf Whatnot nach langer Zeit wieder Pokémon-Breaks angeschaut und es hat sich gar nichts verändert.

eBay-Shop

Der hier grob angeschnittene Shop hat auch einen eBay-Shop neben seinem Online-Shop, um Einzelkarten zu Sofortkaufpreisen anzubieten. Bei all den bespielten Plattformen fehlt irgendwann natürlich die Zeit händisch die Preise für Einzelkarten im Ladengeschäft anzupassen, denn vielleicht findet sich trotzdem jemand. Ich fand es übrigens in dem speziellen Laden erschreckend, mit wie wenig Liebe und inklusiver dicker Staubdecke hier Karten mit angeblich fünfstelligen Werten in einer Wandvitrine ausgestellt wurden. Diese Beobachtung bestätigt meinen Gedanken über die Prioritätenliste dieses Local Card Shops.

Regelmäßiger Händler auf Messen

Wie oben beschrieben ist das hier eine Liste an möglichen Red Flags, aber wenn ein lokaler Einzelhändler im Jahr fast alle großen Messen mit seinen Produkten besucht, dann ist einem die lokale Sichtbarkeit im Sammelkarten-Shop doch nicht so wichtig. Personalressourcen werden in der Planung, Durchführung und Nachbereitung eingesetzt und auch hier wieder der Verweis auf das Wort „Prioritäten“.

Kundenfreundlichkeit

Eine gute Liste hat mindestens fünf Punkte. Nein, natürlich nicht, aber mein Erlebnis in diesem speziellen „Local Card Shop“ hat gezeigt, dass ich dem anwendenden Mitarbeiter vollkommen gleichgültig war. In einem professionellen Fachgeschäft wäre ich als einziger Kunde auf der Ladenfläche doch mal gefragt worden was ich denn suche oder ob man mir behilflich sein kann. Da gibt es aber ganz andere Beispiele von bekannten „Local Card Shops“, wo man herzlich begrüßt wird obwohl der Laden rappelvoll ist.

Keine falschen Schlüsse aus dem Artikel ziehen

Hier schreibt kein enttäuschter Sammler auf der vergeblichen Suche nach einem Schnapper in einem „Local Card Shop“ in einem hoffentlich vergessenen Dorf. Ich glaube aber, dass wenn ein Unternehmen auf so vielen Hochzeiten tanzt, dann ergibt sich umsatzgetrieben irgendwann eine Prioritätenliste. Am Ende habe ich bestimmt einen Content-Creator besucht, der sich nahbar macht mit einem eigenen Shop und die Leute das Gefühl mögen bei ihm zu kaufen. So gut kenne ich das besuchte Unternehmen allerdings nicht.

Ich muss jedoch auch zwingend erwähnen, dass der „Local Card Shop“ einige Spieltische hatte, an denen regelmäßig TCG-Turniere stattfinden. Das wirft teilweise ein anderes Licht auf den Shop, aber vielleicht auch nur teilweise.

Ihr könnt so oft ihr wollt den Laden raten, aber verraten werde ich ihn nicht. Lasst uns lieber in den Kommentaren über das Thema diskutieren oder auf Instagram.

Categorized in: