Dieser Artikel ist mit KI-Unterstützung entstanden

Wer meinen Blog schon länger verfolgt, weiß, dass ich beim Pokémon TCG inzwischen gerne über den deutschen Tellerrand schaue. Zuletzt haben mich beispielsweise die chinesischen Pokémon-Produkte rund um die Gem Packs ziemlich abgeholt. Gleichzeitig bin ich Pokémon-Fan seit der ersten Stunde: Früher gab es für meinen Bruder und mich noch Pokémon-Karten und Starter-Decks auf der Spielemesse in Essen, heute beschäftige ich mich deutlich intensiver mit Sets, Pull Rates, verschiedenen Sprachen und den teilweise gewaltigen Preisunterschieden bei Produkten.

Dabei stößt man zwangsläufig auf ein Thema, das insbesondere beim Kauf einzelner Booster Packs eine Rolle spielt: das Abwiegen von Pokémon-Boostern.

Gerade bei älteren englischen und vielen japanischen Pokémon-Produkten können minimale Gewichtsunterschiede einen Hinweis darauf geben, ob sich eine Holo-, Full-Art- oder eine andere besondere Karte im Booster befindet. Teilweise funktioniert das erstaunlich zuverlässig, teilweise erhöht ein bestimmtes Gewicht lediglich die Wahrscheinlichkeit und bei anderen Sets bringt die Waage praktisch gar nichts.

Für Käufer ist dieses Wissen wichtig. Denn problematisch wird das Abwiegen spätestens dann, wenn jemand die vermeintlich interessanten Booster behält und die aussortierten Packs anschließend als „unsearched“ oder ungeprüfte Loose Packs verkauft.

Ganz wichtig: Falls Du selbst in die Welt des Abwiegens bei Pokémon-Sammelkarten eintauchen willst, dann benötigst du am besten eine Feinwaage*.

Warum kann man Pokémon-Booster überhaupt wiegen?

Das Grundprinzip ist ziemlich simpel. Unterschiedliche Karten wiegen unterschiedlich viel. Eine zusätzliche Folierung, stärkere Beschichtung oder besondere Struktur einer Karte kann das Gesamtgewicht eines Booster Packs geringfügig verändern.

Bei einem einzelnen Booster reden wir dabei teilweise nur über wenige Zehntel oder sogar Hundertstel Gramm. Mit einer entsprechend genauen Waage können diese Unterschiede trotzdem sichtbar werden.

Genau dieses Problem ist aus der Anfangszeit des Pokémon TCG bestens bekannt. Bei vielen alten Sets enthielten die schwereren Booster überdurchschnittlich häufig eine Holo-Karte.

Bei modernen internationalen Produkten wurde versucht, dieses Problem unter anderem durch unterschiedlich schwere Codekarten auszugleichen. Dadurch soll aus dem Gesamtgewicht des Boosters nicht mehr ohne Weiteres auf den Inhalt geschlossen werden können. Untersuchungen zeigen allerdings, dass dieser Gewichtsausgleich nicht bei jeder Erweiterung perfekt funktioniert.

Wichtig ist außerdem: Es gibt kein allgemeingültiges Gewicht wie beispielsweise „21 Gramm = Holo“.

Produktionscharge, Verpackung, Druckerei, Kartenmaterial und selbst Lagerbedingungen können das Gewicht verändern. Entscheidend ist deshalb meistens nicht ein bestimmter Grammwert, sondern das Verhältnis der Booster innerhalb derselben Boosterbox beziehungsweise Produktionscharge. Genau das zeigen inzwischen umfangreiche Daten aus geöffneten Vintage-Displays.

Diese Pokémon-Sets gelten als besonders gut wiegbar

Nicht jedes Pokémon-Set lässt sich gleich gut abwiegen. Während es bei einigen Erweiterungen sehr klare Gewichtsunterschiede gibt, liefern andere höchstens Tendenzen oder überhaupt keine verlässlichen Hinweise.

Pokémon TCG-Produkt Sprache Wie gut ist das Wiegen dokumentiert?
Base Set Englisch sehr gut
Jungle Englisch sehr gut
Fossil Englisch sehr gut
Base Set 2 Englisch sehr gut
Team Rocket Englisch sehr gut
Gym Heroes Englisch teilweise bis gut
Gym Challenge Englisch gut
Neo Genesis Englisch eingeschränkt
Neo Discovery Englisch sehr gut
Neo Revelation Englisch eingeschränkt
Skyridge Englisch sehr gut
Aquapolis Englisch eingeschränkt
verschiedene EX-Sets Englisch stark vom Set abhängig
Eevee Heroes Japanisch sehr gut
VSTAR Universe Japanisch sehr gut
Terastal Festival ex Japanisch sehr gut
Clay Burst Japanisch deutliche Warnsignale
Snow Hazard Japanisch deutliche Warnsignale
Triplet Beat Japanisch deutliche Warnsignale
Lost Abyss Japanisch deutliche Hinweise
Paradigm Trigger Japanisch Hinweise vorhanden
Shiny Treasure ex Japanisch untersucht, aber nicht so eindeutig dokumentiert
Eevee Heroes Koreanisch Hinweise vorhanden
Scarlet & Violet Base Englisch Gewicht beeinflusst offenbar die Wahrscheinlichkeit
Crown Zenith Englisch widersprüchliche Ergebnisse
Pokémon Card 151 Japanisch nicht zuverlässig genug belegt
Gem Packs Simplified Chinese Wiegen vermutlich nicht die entscheidende Methode

Diese Abstufung ist mir wichtig. Im Internet wird schnell behauptet, dass ein Booster „weighable“ sei. Ein einzelner Reddit-Kommentar ist aber etwas anderes als mehrere komplett dokumentierte Boosterboxen mit Hunderten gewogenen Packs.

Base Set, Jungle und Fossil: Die Klassiker unter den Heavy Packs

Wer schon einmal nach einem originalen Base-Set-Booster gesucht hat, dürfte die Begriffe „Heavy“ und „Light“ bereits gesehen haben.

Für die frühen Wizards-of-the-Coast-Sets ist das Abwiegen hervorragend dokumentiert. Eine besonders interessante öffentliche Datenbank umfasst inzwischen mehr als 2.500 Booster aus über 70 geöffneten Vintage-Boosterboxen. Jedes Pack wurde dabei vor dem Öffnen beziehungsweise Verkauf auf 0,01 Gramm genau gewogen.

Beim Base Set zeigt sich innerhalb einzelner Boosterboxen eine ausgesprochen deutliche Trennung. Bei einem dokumentierten 1999-2000-Print lagen beispielsweise sämtliche bestätigten Holo-Booster zwischen 21,38 und 21,66 Gramm, während die Packs darunter keine bestätigte Holo enthielten. Das bedeutet allerdings ausdrücklich nicht, dass jedes Base-Set-Pack mit 21,4 Gramm automatisch eine Holo enthält. Eine andere Boosterbox kann insgesamt leichter oder schwerer sein.

Ähnliche Ergebnisse gibt es für Jungle und Fossil. Besonders bei Fossil wurden bereits Hunderte Packs dokumentiert. Innerhalb vieler Boxen befinden sich die Holo-Packs deutlich oberhalb der normalen Booster.

Genau aus dieser Zeit stammt letztlich die bis heute verbreitete Vorstellung vom „Heavy Pack“.

Team Rocket und Neo Discovery lassen sich besonders deutlich trennen

Noch interessanter finde ich die Daten zu Team Rocket.

In den dokumentierten Boxen des Team Rocket 1st Edition Sets lagen die bestätigten Holo-Packs zwischen ungefähr 20,79 und 21,09 Gramm, während die Non-Holo-Packs überwiegend darunter lagen. Die Auswertung bezeichnet die Trennung innerhalb der untersuchten Boxen als besonders sauber.

Ähnlich sieht es bei Neo Discovery aus. Auch hier konnten die bestätigten Holo-Booster in den ausgewerteten Boxen sehr deutlich von den leichteren Packs getrennt werden.

Wer also einen teuren einzelnen Team-Rocket- oder Neo-Discovery-Booster kauft, sollte sich darüber im Klaren sein, dass ein Vorbesitzer durchaus gute Möglichkeiten hatte, das Pack vorher einzuordnen.

Das bedeutet natürlich nicht automatisch, dass jeder angebotene Loose Booster gewogen wurde. Technisch möglich ist es bei diesen Produkten aber definitiv.

Nicht jedes alte Pokémon-Set funktioniert gleich gut

Besonders spannend an den großen Datensammlungen ist für mich, dass sie mit einem weit verbreiteten Mythos aufräumen:

Alt bedeutet nicht automatisch perfekt wiegbar.

Bei Neo Genesis beispielsweise überschneiden sich die Gewichte von Holo- und Non-Holo-Packs teilweise deutlich. Auch bei Neo Revelation gibt es Überschneidungen.

Noch deutlicher wird das in Teilen der EX-Ära. Für EX Team Rocket Returns wurde eine sehr brauchbare Gewichtstrennung dokumentiert, während sich bei Legend Maker, Dragon Frontiers, Power Keepers und Unseen Forces die Gewichtsklassen teilweise stark überschneiden.

Das Gewicht ist also selbst bei Vintage-Produkten eher ein statistischer Hinweis als eine magische Zahl.

Skyridge ist ein extremes Beispiel

Skyridge gehört heute zu den teuersten klassischen Pokémon-Sets und ausgerechnet dort funktioniert die Gewichtstrennung in dokumentierten Boosterboxen ausgesprochen gut.

Bei einer komplett ausgewerteten Box lagen die Holo-Packs ungefähr zwischen 17,80 und 17,89 Gramm. Die normalen Booster bewegten sich dagegen überwiegend zwischen etwa 17,61 und 17,72 Gramm. Auch eine Crystal-Karte befand sich innerhalb des schweren Bereichs.

Das Gewicht verrät allerdings nicht, welche besondere Karte enthalten ist.

Eine Waage kann also möglicherweise anzeigen, dass sich wahrscheinlich eine Holo oder eine andere gewichtsmäßig vergleichbare Karte im Booster befindet. Sie sagt Dir aber nicht, ob Du gerade irgendeine Holo oder eine extrem wertvolle Chase-Karte vor Dir liegen hast.

Warum japanische Pokémon-Booster besonders anfällig sind

Damit kommen wir zu modernen Pokémon-Produkten.

Und hier richtet sich der Blick ziemlich schnell nach Japan.

Viele reguläre japanische Pokémon-Booster enthalten lediglich fünf Karten. Gleichzeitig fehlt der Gewichtsausgleich über eine Codekarte, wie wir ihn von vielen internationalen beziehungsweise englischsprachigen Produkten kennen. Dadurch macht eine zusätzliche oder stärker beschichtete Karte prozentual einen größeren Unterschied beim Gesamtgewicht des Packs. Genau dieses Problem wird innerhalb der Sammlercommunity seit Jahren diskutiert.

Es kommt noch ein zweites Problem hinzu: Japanische Boosterboxen besitzen häufig relativ vorhersehbare Pull-Verteilungen.

Selbst wenn ein Produkt nicht perfekt wiegbar wäre, können Verkäufer eine Boosterbox öffnen, den garantierten großen Hit ziehen und anschließend die übrigen Booster einzeln verkaufen.

Das ist streng genommen kein Abwiegen, führt für Käufer von Loose Packs aber zum gleichen Problem.

Eevee Heroes lässt sich erschreckend gut wiegen

Eines der am besten dokumentierten modernen Beispiele ist das japanische Set Eevee Heroes.

PokéDad hat 2021 eine Boosterbox gewogen und die 30 Booster grob in drei Gruppen aufgeteilt. Dabei lagen die leichten Packs ungefähr bei 10,05 Gramm, die mittleren bei rund 10,14 Gramm und die schweren bei etwa 10,21 Gramm.

Anschließend wurden aus jeder Gruppe drei Booster geöffnet.

Bei den leichten und mittleren Boostern gab es keine vergleichbaren besonderen Treffer. Die drei schweren Packs enthielten dagegen die Chase-Karte und zwei Full-Art-Karten. Die Stichprobe ist mit jeweils drei geöffneten Boostern natürlich klein, der Unterschied war trotzdem bemerkenswert.

Dass dieses Problem nicht nur theoretischer Natur ist, zeigen Geschichten von Käufern loser Eevee-Heroes-Booster. Ein Sammler berichtete beispielsweise davon, 45 Loose Packs geöffnet zu haben, ohne auch nur eine einzige Foil-Karte zu ziehen. In der anschließenden Diskussion wurde ausdrücklich auf die Möglichkeiten hingewiesen, japanische Packs nach ihren Hits vorzusortieren.

Deshalb würde ich lose japanische Eevee-Heroes-Booster nur aus einer vertrauenswürdigen Quelle kaufen.

VSTAR Universe gehört ebenfalls zu den klaren Fällen

Beim japanischen High-Class-Set VSTAR Universe ist die Quellenlage ebenfalls deutlich.

TCGplayer weist ausdrücklich darauf hin, dass VSTAR Universe wiegbar ist und empfiehlt aus diesem Grund, keine Boosterbox ohne originale Folierung zu kaufen. Besonders seltene Packs können aufgrund ihrer zusätzlichen beziehungsweise anders aufgebauten Karten ein anderes Gewicht besitzen.

Dazu kommen verschiedene dokumentierte Videoexperimente zum Wiegen der Packs sowie zahlreiche Berichte aus der Community. Selbst auf Cardmarket finden sich Angebote, bei denen VSTAR-Universe-Booster ausdrücklich als „Light Pack“ angeboten werden. Damit ist das Abwiegen hier nicht nur irgendein theoretischer Trick, sondern sichtbar Teil des Sekundärmarktes.

Teilweise wird sogar über das Wiegen kompletter VSTAR-Universe-Boosterboxen diskutiert. Für mich ist die Quellenlage beim einzelnen Booster allerdings wesentlich überzeugender als bei der kompletten Box.

Terastal Festival ex: Auch moderne High-Class-Sets bleiben betroffen

Wer gehofft hatte, das Thema wäre mit neueren japanischen Sets erledigt, wird bei Terastal Festival ex enttäuscht.

In einem dokumentierten Test wurden 30 Booster des Sets einzeln gewogen und anschließend geöffnet. Laut Auswertung ließen sich auch bei diesem modernen japanischen Produkt Zusammenhänge zwischen Gewicht und besonderen Inhalten erkennen.

Damit zeigt sich ein Muster: Gerade bei japanischen High-Class-Produkten würde ich einzelne Booster unbekannter Herkunft grundsätzlich vorsichtiger betrachten als eine sauber versiegelte Boosterbox.

Clay Burst, Snow Hazard und Triplet Beat: Vorsicht bei Loose Packs

Bei Clay Burst, Snow Hazard und Triplet Beat gibt es ebenfalls zahlreiche Warnungen aus der Community.

Besonders auffällig ist ein dokumentierter Fall eines Käufers, der zunächst jeweils zehn Booster von Clay Burst und Snow Hazard und anschließend noch einmal jeweils 20 Booster von Clay Burst, Snow Hazard und Triplet Beat beim gleichen Verkäufer bestellte.

Nach dem Öffnen größerer Mengen fehlten die erwarteten Hits nahezu vollständig. Daraufhin wurden die verbliebenen Packs gewogen, wobei sich auffällig ähnliche Gewichte innerhalb der jeweiligen Sets zeigten.

Das allein beweist natürlich nicht zweifelsfrei, dass genau diese Booster gewogen wurden.

Denn gerade bei japanischen Displays gibt es noch die zweite Möglichkeit: Ein Verkäufer kann Packs aus mehreren Boxen öffnen, bis die erwarteten großen Treffer gefunden wurden, und anschließend die restlichen Booster verkaufen.

Deshalb würde ich Clay Burst, Snow Hazard und Triplet Beat nicht auf dieselbe Beweisstufe stellen wie Eevee Heroes. Das Risiko beim Kauf loser Packs ist trotzdem real.

Lost Abyss: „Light Packs“ werden sogar offen verkauft

Bei Lost Abyss wird das Thema besonders offensichtlich.

Auf Cardmarket finden sich Händlerangebote, bei denen japanische Lost-Abyss-Booster ausdrücklich als „light packs“ bezeichnet werden. Das ist ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, dass das Gewicht dieses Produktes im Handel zumindest zur Vorsortierung verwendet wird.

Hinzu kommt die typische Struktur japanischer Displays. Lost Abyss enthält 30 Booster mit jeweils fünf Karten. Für eine Boosterbox wird mindestens eine höherwertige SR-Karte erwartet. Sobald bestimmte garantierte beziehungsweise typische Hits bereits gezogen wurden, sinkt auch unabhängig vom Gewicht die Attraktivität der verbleibenden Packs.

Genau deshalb gefallen mir bei solchen Sets komplette versiegelte Produkte deutlich besser als eine zufällige Anzahl loser Booster.

Paradigm Trigger und weitere reguläre japanische Sets

Auch Paradigm Trigger wird innerhalb der Sammlercommunity regelmäßig im Zusammenhang mit Heavy und Light Packs genannt.

Hier ist die öffentlich nachvollziehbare Datenlage allerdings dünner als bei Eevee Heroes oder VSTAR Universe. Ich würde deshalb nicht behaupten, dass man mit einem bestimmten Gewicht zuverlässig den besten Hit aus Paradigm Trigger identifizieren kann.

Das grundsätzliche Risiko bleibt aufgrund des Aufbaus regulärer japanischer Fünf-Karten-Booster jedoch bestehen.

Das gilt auch für zahlreiche andere japanische Sword-&-Shield- und Scarlet-&-Violet-Sets. Wenn normale Booster nur fünf Karten besitzen und unterschiedliche Foil-Behandlungen enthalten können, lohnt sich für unseriöse Verkäufer zumindest der Versuch einer Gewichtssortierung.

Shiny Treasure ex wurde sogar mit 200 Boostern untersucht

Auch Shiny Treasure ex ist Gegenstand größerer Wiege-Experimente.

Für einen Test wurde ein komplettes Case mit 20 Boosterboxen beziehungsweise insgesamt 200 Packs geöffnet und jedes Pack vorher gewogen. Damit gehört Shiny Treasure ex zumindest zu den modernen Sets, bei denen die Frage nicht nur anhand einzelner Packs diskutiert wurde.

Die öffentlich zugänglichen Textdaten zu diesem Experiment liefern allerdings nicht dieselbe klare Gewichtstabelle wie beispielsweise die Vintage-Datenbank oder der Eevee-Heroes-Test.

Deshalb würde ich Shiny Treasure ex nicht einfach mit dem Satz „schwerer Booster = sicherer Hit“ beschreiben.

Das Thema Wiegen spielt bei diesem Produkt dennoch eine Rolle und ist ein weiterer Grund, bei teuren Loose Packs die Herkunft zu hinterfragen.

Koreanische Pokémon-Booster sind ebenfalls interessant

Japan ist nicht die einzige asiatische Variante, bei der dieses Thema auftaucht.

Eevee Heroes wurde auch auf Koreanisch veröffentlicht. Die koreanischen Packs enthalten ebenfalls fünf Karten und besitzen einen sehr ähnlichen grundsätzlichen Aufbau.

Dass Händler koreanische Eevee-Heroes-Packs ausdrücklich als „unweighed“ beziehungsweise nicht gewogen verkaufen, zeigt zumindest, dass das Problem auch bei dieser Variante im Markt bekannt ist.

Ich würde die koreanische Variante dennoch nicht mit derselben Sicherheit wie das japanische Eevee Heroes einstufen, weil mir für Japan deutlich bessere dokumentierte Tests vorliegen.

Kann man moderne englische Pokémon-Booster noch wiegen?

Jetzt wird es kompliziert.

Lange galt sinngemäß:

Alte Booster kann man wiegen, moderne englische Booster nicht.

Ganz so einfach ist es offensichtlich nicht.

Beim englischen Scarlet & Violet Base Set wurden drei Boosterboxen mit jeweils 36 Packs und zusätzlich zwei Booster Bundles mit jeweils sechs Packs untersucht.

Dabei waren die schwersten Booster auffällig häufig mit Hits angereichert. In einer Boosterbox enthielten beispielsweise die vier schwersten Packs jeweils einen Hit, darunter Double Rare, Ultra Rare und Special Illustration Rare. Bei einer anderen Box hatten die beiden schwersten Packs ebenfalls beide einen Hit. Auch bei den Booster Bundles befanden sich die vorhandenen Hits unter den besonders schweren Packs.

Der Autor der Untersuchung kommt deshalb zu dem Ergebnis, dass schwere Scarlet-&-Violet-Packs eine deutlich erhöhte Hit-Wahrscheinlichkeit besitzen können.

Das ist allerdings etwas anderes als bei einem sauber trennbaren Vintage-Display.

Du kannst bei Scarlet & Violet also nicht einfach irgendeinen Booster auf eine Waage legen und anschließend sicher sagen, ob eine Illustration Rare darin steckt.

Innerhalb eines zusammengehörigen Produktes kann das Gewicht aber offenbar Informationen liefern.

Crown Zenith zeigt, warum Pauschalaussagen schwierig sind

Crown Zenith ist ein perfektes Beispiel dafür, wie widersprüchlich Wiege-Experimente ausfallen können.

In einem größeren Videoexperiment wurden 50 Packs aus fünf Elite Trainer Boxen gewogen und geöffnet. Besondere Karten tauchten tatsächlich in verschiedenen Gewichtsklassen auf. Darunter waren unter anderem Gallery-Karten, VSTAR-Karten und andere Hits. Gleichzeitig gab es aber auch besonders schwere Booster ohne entsprechenden Treffer.

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Andere Sammler berichten wiederum davon, Dutzende Crown-Zenith-Booster selbst gewogen zu haben, ohne einen reproduzierbaren Zusammenhang zwischen Gewicht und Hits festzustellen.

Deshalb würde ich Crown Zenith als bedingt wiegbar beziehungsweise statistisch auffällig, aber keinesfalls zuverlässig sortierbar einordnen.

Und genau diese Unterscheidung fehlt mir in vielen Diskussionen über das Thema.

Was ist mit dem japanischen Pokémon 151?

Natürlich interessiert mich Pokémon Card 151 besonders. Bei Pokémon 151 funktioniert die Sache aber anders als bei typischen japanischen Fünf-Karten-Boostern.

Japanische 151-Packs enthalten sieben Karten und bereits zwei garantierte Holofoil-Karten. Zusätzlich existieren Pokéball- und Masterball-Reverse-Holos sowie die sogenannten God beziehungsweise Demi-God Packs.

Es gibt durchaus Experimente, bei denen größere Mengen japanischer 151-Booster gewogen und anschließend geöffnet wurden. So hat der YouTube-Kanal Baztoise beispielsweise 40 japanische Pokémon-151-Booster einzeln gewogen und die Ergebnisse anschließend mit den gezogenen Karten verglichen.Die Ergebnisse sind aber nicht eindeutig genug, um Pokémon 151 für mich in dieselbe Kategorie wie Eevee Heroes oder VSTAR Universe zu stecken.

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Weitere Informationen

Bei 151 besteht außerdem wieder das Problem der vorhersehbaren Box-Hits. Ein Loose Pack kann also uninteressanter geworden sein, ohne jemals auf einer Waage gelegen zu haben. Ich würde japanische 151-Booster deshalb nicht als eindeutig wiegbar bezeichnen, beim Kauf loser Packs aber trotzdem vorsichtig sein.

Chinesische Gem Packs sind ein interessanter Sonderfall

Pokémon Gem Pack 5 Card-Corner

Meine Hits aus dem Pokemon Gem Pack 5 Display (CBB5C) von Card-Corner

Da mich chinesische Pokémon-Karten momentan selbst sehr interessieren, wollte ich natürlich wissen, wie es bei den Simplified Chinese Gem Packs aussieht.

Und hier wird es spannend.

Die Gem Packs enthalten nur vier Karten, allerdings sind sämtliche Karten holografisch. Bei Gem Pack Vol. 1 beispielsweise besteht jeder Booster aus vier Karten und enthält garantiert mindestens eine Karte der höheren vorgesehenen Foil-Stufe.

Innerhalb der Community wird deshalb berichtet, dass klassisches Wiegen bei Gem Packs gerade nicht die entscheidende Sortiermethode sei, weil sich die Karten gewichtstechnisch zu ähnlich sind. Stattdessen werden andere Möglichkeiten zum Durchsuchen beziehungsweise die bekannte Hit-Verteilung innerhalb geöffneter Produkte diskutiert.

Interessant ist trotzdem, dass verschiedene Händler ihre chinesischen Loose Packs ausdrücklich als „unweighed“ und „unscanned“ bewerben. Das zeigt, wie groß das Misstrauen gegenüber vorsortierten Packs inzwischen auch bei chinesischen Produkten geworden ist.

Für mich wäre es deshalb falsch, pauschal zu schreiben:

„Chinesische Gem Packs kann man wiegen.“

Dafür habe ich keine überzeugenden Belege gefunden.

Richtiger ist:

Auch bei chinesischen Loose Packs solltest Du darauf achten, woher sie stammen und ob bereits bekannte Hits aus der ursprünglichen Box gezogen wurden.

Heavy bedeutet nicht automatisch Chase-Karte

Das ist wahrscheinlich die wichtigste Erkenntnis meiner gesamten Recherche.

Selbst wenn sich ein Set wiegen lässt, bedeutet ein schweres Pack nicht automatisch, dass sich darin die teuerste Karte des Sets befindet.

Bei den großen Vintage-Auswertungen liegen beispielsweise Gold Stars, Crystal Cards und andere seltene Karten oftmals im gleichen Gewichtsbereich wie normale Holo-Packs. Die Waage erkennt schließlich keine Seltenheitsstufe. Sie misst lediglich das Gesamtgewicht.

Ein schweres Pack kann also die Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Kartenart erhöhen.

Mehr nicht.

Wer behauptet, anhand eines einzelnen Gewichtswerts exakt sagen zu können, welche Karte in einem Booster steckt, sollte diese Behauptung entsprechend gut belegen können.

Warum ich bei Loose Packs inzwischen genauer hinschaue

Ich kaufe und öffne gerne unterschiedliche Sammelkarten-Produkte. Für mich gehört dieses Öffnen schließlich zum Hobby dazu.

Gerade deshalb finde ich das Thema wichtig.

Ein Loose Pack ist nicht automatisch manipuliert. Es kann ganz normal aus einer frisch geöffneten Boosterbox stammen und exakt die gleichen Chancen besitzen wie jeder andere Booster. Podcast-Hörer kennen vielleicht die Folge „Buddy Night mit Glücksrad und Q&A“, in dessen Rahmen ich damals mit Olipedia viele asiatische Einzel-Booster geöffnet habe, jedoch bestellt von einem Online-Shop unseres Vertrauens, da hier schon Hit aus einzelnen Pokémon-Boostern gezogen wurden.

Bei bestimmten Produkten existiert aber eine zusätzliche Informationsasymmetrie: Der Verkäufer kann möglicherweise mehr über dieses Pack wissen als der Käufer.

Bei einem alten Team-Rocket-Booster kann er das Gewicht kennen. Bei Eevee Heroes kann er schwere Packs vorher aussortiert haben. Bei einem japanischen Display kann er bereits den garantierten Hit gezogen und anschließend die restlichen Booster verkauft haben. Und bei manchen Produkten können sogar andere Suchmethoden als eine Waage zum Einsatz kommen.

Das bedeutet für mich nicht, dass ich nie wieder einzelne Pokémon-Booster kaufen würde. Bei besonders teuren japanischen oder alten Packs würde ich aber darauf achten, wem ich das Geld gebe.

Die wichtigste Erkenntnis lautet deshalb nicht, dass jeder Loose Booster schlecht ist.

Vielmehr solltest Du wissen, bei welchen Pokémon-Produkten der Inhalt zumindest teilweise vorher eingeschätzt werden kann. Bei Vintage-Sets wie Base Set, Fossil, Team Rocket, Neo Discovery oder Skyridge ist das hervorragend dokumentiert. Bei modernen japanischen Sets wie Eevee Heroes, VSTAR Universe und Terastal Festival ex gibt es ebenfalls überzeugende Hinweise und praktische Tests.

Bei anderen Produkten wie Crown Zenith, Pokémon 151 oder verschiedenen chinesischen Sets ist die Situation wesentlich komplexer.

Und genau deshalb ist „ungewogen“, „unsearched“ oder „direkt aus einer versiegelten Box“ bei manchen Pokémon-Boostern mehr als nur ein netter Satz in der Artikelbeschreibung.

Wer einzelne Pokémon-Booster kauft, sollte deshalb immer berücksichtigen, aus welchem Set und aus welcher Region das Produkt stammt. Besonders bei älteren englischen Boostern und verschiedenen japanischen Sets kann das Gewicht tatsächlich Hinweise auf den Inhalt liefern. Bei anderen Erweiterungen funktioniert das nur eingeschränkt oder gar nicht zuverlässig.

Für mich bedeutet das vor allem: Bei hochpreisigen Loose Packs schaue ich lieber zweimal hin. Eine versiegelte Boosterbox oder ein vertrauenswürdiger Händler nimmt zwar nicht jedes Risiko aus dem Hobby, reduziert aber zumindest die Wahrscheinlichkeit, dass die vermeintlich zufällige Auswahl längst vor dem Verkauf getroffen wurde.

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